Aus dem Leben eines DJ's

„Du hast es gut! Du musst nur ein paar nette Scheiben auflegen und bekommst für so wenig Arbeit so viel Geld! In der Woche kannst Du dann schön lange schlafen und Dich erholen“.

Diesen Satz hört man als DJ relativ oft. Aber ist es wirklich so, muss man „nur“ ein paar Scheiben auflegen und ist dabei dann auch noch völlig überbezahlt?

Klar, wer DJ wird, betrachtet das als eine Art Berufung und nicht nur als einen Job (sollte zumindest so sein und ist bei uns so!). Klar, wer DJ wird und damit sein Hobby zu seinem Beruf macht, hat es natürlich auch irgendwo ganz gut getroffen. Klar, schlecht bezahlt ist man auch nicht, wenn man es geschafft hat, sich durch viel Arbeit, Einsatz und Aufgabe vieler anderer Dinge einen Namen in der Branche zu erwerben.

Aber der Job bringt auch viele Gefahren und Nachteile mit sich, wenn man ihn denn absolut hauptberuflich ausübt und damit seinen Lebensunterhalt für sich und eventuell seine Familie verdienen muss. Davon möchten wir Ihnen, durchaus mit Humor und ein klein wenig Ironie, aber auch ernsthaft, mal einige vorstellen, um Ihnen die Tätigkeit als DJ etwas näher zu bringen.

Der „Beruf“ als DJ ist eigentlich gar keiner.

Es gibt keine anerkannte Berufsbezeichnung als DJ und dementsprechend ist es natürlich auch kein Lehrberuf. Es gibt also keinen, der einem etwas beibringen kann. Entweder, man hat es im Blut, oder es wird nie etwas. Schon so etwas einfaches und doch sehr wichtiges wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung für diese Tätigkeit abzuschließen, fällt sehr schwer. Es gibt kaum einen Versicherer, der für diesen Zweig eine Versicherung anbietet. Das Risiko ist denen zu hoch. Wenn man dann endlich einen Versicherer gefunden hat, wird dort nur bis zu einer gewissen finanziellen Grenze so etwas angeboten, die Risikozuschlag kostet und im Ernstfall nicht einmal annährend ausreichen würde, um den Lebensunterhalt abzudecken. Sollte also mal der Fall X eintreten und man kann diesen Beruf als hauptberuflicher DJ nicht mehr ausüben, hat man ein Problem.

Freundeskreis? Familie?

Moment mal, wenn alle anderen sich am Wochenende mit ihren Freunden und Familien treffen und vielleicht selber nette Dinge unternehmen, muss man als DJ sehr oft selber arbeiten und kann nicht teilnehmen. Man muss also auf einen sehr verständnisvollen Familien- und Freundeskreis treffen, da man fast nie für sie Zeit hat. Es bleibt trotzdem nicht aus, dass einiges dabei auf der Strecke bleibt und nicht gepflegt werden kann. Aber davon können ja alle ein Lied singen, die im Nachtdienst arbeiten.

Frau? Freundin? Partnerin?

Jeder denkt pauschal, dass man als DJ bestimmt nur „schnipp“ machen muss, da man auf Partys ja ständig im Mittelpunkt steht und sich sofort das weibliche Geschlecht um einen scharrt. Um mal mit diesem Klischee aufzuräumen: Nein, so ist es nicht (na gut, so ist es leider nicht immer)! Man ist ja eh immer der, der als letzter den Raum verlässt. Man hat, sobald es los geht, auch gar nicht soviel Zeit, einen netten Smalltalk zu halten und vielleicht mal ein nettes weibliches Wesen kennen zu lernen. Es ist, andersrum betrachtet, sogar eher schwer eine Beziehung zu führen, da man auch auf eine sehr verständnisvolle Partnerin treffen muss. Man hat am Wochenende ja fast nie Zeit für sie. Welche Frau macht das schon gerne und lange mit? Es sind in dieser Branche tatsächlich schon viele Beziehungen und Ehen durch den Job zerbrochen.

Altersvorsorge? Krankenversicherung?

Klar, muss man alles haben. Aber natürlich auch alles selber teuer bezahlen, da man als hauptberuflicher DJ natürlich selbstständig ist. Und eins ist auch klar: Krankheit kann man sich als selbstständiger hauptberuflicher DJ nicht leisten! Ein Ausfall wäre zu teuer!

Kosten? Hat man als DJ doch kaum, oder?!

Doch und zwar eine ganze Menge. Wenn man sich auf hochwertige Veranstaltungstechnik verlassen möchte, die bei allen Lautstärken gut klingt, zuverlässig ist und trotzdem möglichst klein und schnell aufzubauen, dann kostet diese eine Menge Geld und wird ständig erneuert, da man die Ausfallquote natürlich auf ein Minimum reduzieren möchte. Die Technik von hauptberuflichen DJ´s ist ganz sicher nicht mit denen von nebenberuflichen Hobby DJ`s vergleichbar. Dazu kommen diverse Kosten für Werbung. Man ist in Branchenbüchern eingetragen, man hat eine Homepage, man ist kostenpflichtig bei Suchmaschinen und anderen Internetbörsen eingetragen, man hat Visitenkarten, man hat Prospekte. Leider bekommt man das alles nicht geschenkt. Nicht ganz unwichtig ist natürlich auch, dass man seinen Musikbestand ständig aktuell halten muss und natürlich somit auch Geld für CD´s oder Schallplatten ausgibt. Auch das Auto eines DJ´s kostet mehr Geld. Es muss schließlich eine Ecke größer sein, da die gesamte Technik ja auch irgendwie verstaut werden muss. Der Smart ist leider zu klein. Größere Autos verbrauchen natürlich in der Regel auch einen Tick mehr Benzin und sind teurer in der Anschaffung. Unglücklicherweise will dann auch immer noch der Steuerberater Geld von einem haben und wenn der sein Geld hat, gibt es danach ja immer noch das hässliche Finanzamt….Da kann man sich noch so arm stellen und noch so auf die Tränendrüse drücken, die wollen immer Kohle sehen! Natürlich hat man auch keinen bezahlten Urlaub, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld.

Urlaub machen?

Klar, wenn man denn nach viel Arbeit und harten Nächten genug Geld verdient hat, kann man auch Urlaub machen, Aber Moment mal, wann kann man das eigentlich machen? Man muss ja schließlich darauf achten, dass man nicht zu viele Aufträge verpasst, möglichst sogar gar keinen. Jeder Auftrag den man verpasst, lässt den Urlaub schließlich noch teurer werden. Die Hauptsaison fällt also weg! Man kann eigentlich nur im Januar, Februar, März und November Urlaub machen. Ungünstig wird das dann, wenn man ein schulpflichtiges Kind hat und an Ferienzeiten gebunden ist, um mit diesem auch mal zu verreisen. Und wenn man dann endlich kurzfristig gebucht hat, kommen ausgerechnet an den beiden Wochenenden, wo man dann weg ist, noch kurzfristig zwei Aufträge rein, Mist, teurer Urlaub!

Gesundheitsschäden durch den Beruf als DJ?

Wie das denn? Es lässt sich nun einmal nicht vermeiden, dass man die Musik etwas lauter machen muss, wenn die Gäste tanzen sollen. Zu leiser Musik tanzt erfahrungsgemäß keiner. Diese Beschallung hat man als DJ dann am ganzen Abend voll im Ohr, da man ja auch noch über die Kopfhörer arbeitet. Man steht ja auch immer relativ nah an den Boxen dran, wobei man sich mit der Zeit angewöhnt, sich immer hinter den Boxen aufzubauen. Trotzdem, es gibt sehr viele DJ´s, die einen chronischen Tinitus haben. Vorprogrammiert ist auch, dass man mit zunehmendem Alter, einen Teil seiner Gehörstärke verlieren wird. Das ist schon eine ziemlich üble Geschichte. Es gibt auch sehr viele DJ´s, die chronische Rückenprobleme haben. Zum einen steht man die ganze Nacht und zum anderen und das ist viel entscheidender, man hat wahnsinnig viel Gewicht zu heben und das, für eine Veranstaltung, genau 4x komplett zu bewegen. Auto zu Hause einladen. Auto am Veranstaltungsort ausladen und aufbauen. Am Ende der Feier wieder abbauen und einladen. Zu Hause angekommen wieder ausladen, da man keinerlei Versicherungsschutz hat, wenn das Auto geknackt wird und die Technik weg ist. Man bewegt also für eine Veranstaltung im kleineren Rahmen (bis 150 Personen), ca. 130 KG genau 4x hin und her. Also knapp 520 KG an einem Tag. Okay, Fitnessstudio kann man sich so auch sparen J. Weitere Gesundheitsrisiken? Ja, man arbeitet ständig Nachts, wobei der menschliche Organismus natürlich darauf eingestellt ist, Nachts zu schlafen. Das führt dazu, dass sich der Körper umstellt und man selbst an Tagen ohne Job, nicht mehr früh einschlafen kann. Dazu arbeitet man ständig bei schlechtem Licht und schlechter Luft. Wenn man dann womöglich noch selber raucht (was sicher 80% aller DJ´s machen), hat man eigentlich schon verloren.

Wenige Arbeitsstunden und Überbezahlt?

Damit haben wir angefangen und bereits einige Nachteile an diesem Beruf aufgezählt, die das vielleicht alles schon etwas relativiert haben. Kommen wir aber noch mal zu diesem Thema. Wir möchten an dieser Stelle mal einen normalen Freitag beschreiben, bei dem man in diesem Beispiel zu einer Hochzeit gebucht ist. Nehmen wir einfach mal einen Durchschnittswert, sprich diese Hochzeit soll um 18.00 Uhr mit dem Sektempfang losgehen und ist ca. 30 KM vom eigenen Wohnort entfernt. Der Arbeitstag für einen DJ beginnt in so einem Fall gegen 15.00 Uhr. Zu dieser Zeit fängt man dann an, zum ersten Mal die ca. 130 KG zu bewegen und das Auto zu beladen. Danach springt man dann unter die Dusche und macht sich für den Auftritt zurecht. Gegen 16.30 Uhr fährt man dann los, um gegen 17.15 Uhr am Veranstaltungsort einzutreffen. Dort lädt man die ca. 130 KG wieder aus dem Auto aus und fängt an, die Technik aufzubauen. Wenn man Glück hat, ist das ganze ebenerdig. Sonst heißt es nämlich richtig schleppen, da die Sackkarre dann nicht hilft. Wenn man Pech hat, muss man sich noch mit der Gastronomie darum „prügeln“, einen Tisch zu erhalten. Einige haben einen DJ nämlich überhaupt nicht auf dem Zettel und die Frage nach einem passenden Tisch löst manchmal erstaunlicherweise fragende Augen aus. Warum eigentlich? Man kann seinen Kram schließlich nicht auf dem Boden aufbauen. Spätestens um 17.45 Uhr will und muss man dann mit dem Aufbau fertig sein, da man natürlich schon bereit dort stehen möchte, wenn die Gäste eintreffen. Um 18.00 Uhr geht dann der Sektempfang los. Um 19.00 Uhr geht das Essen los. Während dieser Phase macht man als DJ in der Tat eigentlich nichts, als dort zu sitzen und die Hintergrundmusik laufen zu lassen. Nichts tun ist aber manchmal viel anstrengender, als in Action zu sein. Man sitzt da aber wirklich stundenlang mehr oder weniger unbeteiligt am Rande. Natürlich isst man in dieser Zeit auch selber etwas. Gegen 22.30-23.00 Uhr folgt dann der Eröffnungstanz und die eigentliche Party startet. Da steht man dann ständig unter positiver Hochspannung, da man natürlich versucht, die Stimmung hochzuhalten, die Tanzfläche voll zu haben und die Leute in Ekstase zu versetzen. Dafür ist man schließlich gebucht worden und hat eigentlich die Hauptverantwortung dafür, dass die Party dann auch ein Erfolg wird. Ein schlechtes Essen verzeiht ein anwesender Gast schnell und es gerät in Vergessenheit. Einen schlechten DJ, der die Party kaputt macht, behält man immer im Kopf. Man versucht auf Musikwünsche einzugehen und es möglichst allen anwesenden Gästen recht zu machen, wobei das ein fast unmögliches Unterfangen ist. Einen wenigen älteren Gästen ist es schon bei normal tanzbarer Lautstärke viel zu laut und manche empfinden „Kool And The Gang“ schon als Techno. Schlechte Laune kann man sich nicht leisten. Jeder erwartet von einem, dass man die ganze Zeit in die Runde grinsen muss. Wenn man dann mal nicht grinst, sondern konzentriert schaut, wie es bestimmt jeder in seinem Job mal tut, dann wirkt man gleich arrogant. Gegen 4.00 Uhr ist die Party dann so langsam beendet. Zu diesem Zeitpunkt ist man als DJ dann auch so langsam aber sicher erschlagen, wobei man das dann immer erst merkt, wenn es sich allmählich auflöst und ruhiger wird. Man baut dann die Anlage ab und packt die ca. 130 KG wieder in sein Auto. Gegen 5.30 Uhr morgens ist man dann zu Hause. Da entlädt man dann noch das Fahrzeug mit den üblichen 130 KG und ist so gegen 5.50 Uhr damit fertig. Zu diesem Zeitpunkt hat man dann bereits einen knapp 15 Stunden Arbeitstag hinter sich. Man ist eigentlich todmüde. Unglücklicherweise ist man vom Job aber noch so aufgekratzt, dass man nicht sofort schlafen kann und noch eine Weile Fernsehen guckt. Muss man auch, da das Pfeifen in den Ohren sonst ohnehin so laut wäre, dass man die leichte Fernsehbeschallung als Ablenkung zum einschlafen benötigt. Irgendwann um 6.30 Uhr schläft man dann ein, um am nächsten Tag einen ähnlichen Ablaufplan wieder zu haben. Am Sonntag lange schlafen ist aber nicht drin, da das eigene Kind (wenn man denn eines hat) ja auch das Recht hat, seinen Vater zu sehen und was Nettes mit ihm zu machen. Kann sich jetzt ungefähr jemand vorstellen, warum man die nächsten Tage nach so einem Wochenende völlig erschlagen ist? Ich denke, nach dieser ausführlichen Beschreibung eines ganz normalen DJ Wochenendes und des Arbeitsablaufes, relativiert sich der Gedanke von wenig Arbeitszeit und dabei viel zu hoher Bezahlung doch ganz erheblich J. Natürlich hat man auch in der Woche etwas zu tun. Mal abgesehen davon, dass natürlich auch in der Woche gelegentlich Aufträge stattfinden, muss man ja schließlich auch noch ganz banalen Bürokram erledigen, Rechnungen schreiben, Angebote schreiben, Buchhaltung machen, mit Kunden und Interessenten telefonieren, sich mit anderen DJ´s absprechen, seine Technik pflegen, den Musikbestand vervollständigen und vieles mehr.